Brackmeister reviewed Versuchungen der Unfreiheit by Ralf Dahrendorf (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung, #587)
Muss wohl noch ein paar Sprachen lernen
5 stars
Zum Glück nutzt der Autor nicht wie zuletzt Anton Grabner-Haider mehrheitlich lateinische unübersetzte Begriffe und Phrasen, aber selbst ein paar englische Vokabeln hab ich noch nie gehört/gelesen. Bei Französisch oder Italienisch bin ich leider direkt raus.
Das Buch ist eine Studie über sogenannte "öffentliche Intellektuelle", die in Zeiten von Faschismus und Kommunismus nicht deren Versuchungen erlegen sind, die da Bindung und Führung (Faschismus) bzw. Bindung und Hoffnung (Kommunismus) wären. Um den Umfang nicht zu sehr ausufern zu lassen, beschränkt sich Ralf Dahrendorf auf Personen, die zwischen 1900 und 1910 geboren wurden, damit sie für die untersuchte Zeit nicht zu jung oder so alt waren.
Insbesondere konzentriert er sich auf Karl Popper, Raymond Aron und Isaiah Berlin, die er aufgrund der gefundenen Gemeinsamkeiten "Erasmier" nennt, weil schon Erasmus von Rotterdam die Qualitäten zeigte, die ihn immun gegen die Versuchungen der Unfreiheit machten. Ganz kurz zusammengefasst nennt er sie "engagierte Beobachter" aber keine "Wiederstandskämpfer". Diese Drei kommen das ganze Buch über vor, werden aber auch von massenhaft anderen Namen begleitet, die nicht ganz an ihr Niveau heranreichten, nicht aus ihrer Generation stammten sowie als Abgrenzung einige öffentliche Intellektuelle, die dann doch (mehrheitlich) den Versuchungen erlegen waren.
Ich fand das Buch in Summe wirklich gut zu lesen, aber es ist jetzt aber keine Anleitung, sollten sich ähnlich krisenhafte Zeiten wiederholen. Den Anspruch hat der Autor nach meinem Verständnis aber auch nicht. Auf jeden Fall empfehlenswert.
