Dietsch@bookwyrm.de reviewed Der Prätorianer by Tobias Bukkehave
Cliffhanger ersetzen keine Figuren
2.5 stars
Content warning Milde Spoiler zum Cast und der Beziehungen untereinander.
„Der Prätorianer“ hat Zug, das muss man ihm lassen. Gerade im Mittelteil nehmen die Ermittlungen Schwung auf, Puzzlestücke fügen sich, die Begegnung mit dem inhaftierten Vater bleibt angenehm uneindeutig, und die Szene mit dem Professor, der römischen Götterglauben und Tatorte zusammenbringt, gehört zu den stärksten des Buches. Nur trägt diese solide Ermittlungsarbeit nicht bis zum Ende. Im letzten Drittel kommen die Ermittler eher zufällig und über die naheliegendsten Schlüsse voran, und der Showdown lebt von einer Kette von Zufällen und von Figuren, die plötzlich wundersam über sich hinauswachsen. Wer wie ich Ermittler mag, die tüfteln, kombinieren und dem Täter durch eigene Denkarbeit näherkommen, bekommt hier zu wenig.
Dazu kommt ein Cast, der schlicht zu groß ist, um irgendwem Tiefe zu geben. Sara Levin und Janus West sollen eine Reihe tragen, bleiben aber charismafrei und ohne Eigenleben; dass sie sich in die Arbeit stürzen, um eigenen Schmerz zu kompensieren, wird behauptet, nicht gezeigt. Am meisten Potenzial hat noch die Beziehung zwischen Sara und ihrem Bruder Adam. Größte Schwäche ist für mich der Täter: Römerzeit-Nerd, Manosphere-Vokabular, Kriegsveteran, Familienkonflikte, Organfaszination, alles auf eine Figur gepackt, bis kein beängstigender Gegenspieler übrig bleibt, sondern ein aus Motiven zusammengenähtes Frankenstein-Monster. Die Kapitel aus seiner Perspektive waren für mich die Tiefpunkte des Buches. Und warum ausgerechnet römischer Glaube in dänischer Schneekulisse, erschließt sich mir bis zum Schluss nicht.
Am Ende bleiben offene Fäden, die Lust auf die Fortsetzung machen sollen. Aber gute Figuren bauen eine Reihe auf, ein paar Cliffhanger tun das nicht. Unterhaltsam gelesen, Lust auf Band zwei hat es mir nicht gemacht.