Lina Nox reviewed Eines Menschen Flügel by Andreas Eschbach
Ein Sündenfall und seine Folgen
4 stars
Der junge Owen, der seinen Träumen folgend eine Sünde begeht. Sein Sohn Oris, der nach dem Tod Owens schwört, den Namen seines Vaters reinzuwaschen. Und damit die eigentliche Katastrophe erst lostritt. Und drumherum eine phantastische Welt, in der die Unbeschwertheit sowohl Segen ist als auch ihren Preis hat. Davon erzählt Eschbach in seinem Epos "Eines Menschen Flügel".
Als Owen sich aufmacht, hochhinauszufliegen, um den Himmel zu durchstoßen und die Sterne zu sehen, fühle ich mich schnell an den Turmbau zu Babel erinnert. Zwar schafft er es tatsächlich und das allein mündet weder in einer Sprachverwirrung noch in der Katastrophe, aber so abwegig ist meine Vermutung mit den Motiven aus der Urgeschichte nicht. Nicht der Durchstoß des Himmels wird Owen zum Verhängnis, sondern seine Erzählungen davon. Denn diese alarmieren eine geheime Bruderschaft, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung der von den Ahnen aufgestellten Regeln zu bewachen. In seinem Stolz angekratzt …
Der junge Owen, der seinen Träumen folgend eine Sünde begeht. Sein Sohn Oris, der nach dem Tod Owens schwört, den Namen seines Vaters reinzuwaschen. Und damit die eigentliche Katastrophe erst lostritt. Und drumherum eine phantastische Welt, in der die Unbeschwertheit sowohl Segen ist als auch ihren Preis hat. Davon erzählt Eschbach in seinem Epos "Eines Menschen Flügel".
Als Owen sich aufmacht, hochhinauszufliegen, um den Himmel zu durchstoßen und die Sterne zu sehen, fühle ich mich schnell an den Turmbau zu Babel erinnert. Zwar schafft er es tatsächlich und das allein mündet weder in einer Sprachverwirrung noch in der Katastrophe, aber so abwegig ist meine Vermutung mit den Motiven aus der Urgeschichte nicht. Nicht der Durchstoß des Himmels wird Owen zum Verhängnis, sondern seine Erzählungen davon. Denn diese alarmieren eine geheime Bruderschaft, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung der von den Ahnen aufgestellten Regeln zu bewachen. In seinem Stolz angekratzt macht sich Owen ein zweites Mal auf zu den Sternen, scheitert aber kläglich und fällt auch im übertragenen Sinne tief.
Oris macht sich nun auf, Informationen zu sammeln, die Bruderschaft zu jagen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Bruderschaft scheint ihm stets einen Schritt voraus, bis er das Ruder übernimmt und damit das Ende des unbeschwerten Lebens aller auf diesem Planeten lebenden Menschen einläutet. Mit Wissen und Technologie bereiten er und seine Freunde alles vor, damit die Menschheit den Planeten verlassen kann. Doch fortan ist nicht mehr die Bruderschaft der Feind, sondern ein falscher Prophet, der in den Menschen Zweifel sät.
Eschbach erzählt wirklich wunderbar. Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive vieler einzelner Charaktere, wobei nach jedem Abschnitt diese Perspektive auserzählt ist und wir zum nächsten Charakter wechseln. Die Erzählweise hat etwas entschleunigendes, auch wenn es durchaus auch zu Langatmigkeit führen kann. Dabei bleibt es bis zum 3. Teil chronologisch, danach haben wir kleine und große Zeitsprünge, bis es chaotisch wird - der sich jetzt entfaltenden Katastrophe nur angemessen. Eingebettet wird das Ganze in eine phantastische Welt, die Menschen haben Flügel, leben in Stämmen auf Bäumen, um Schutz vor einer auf dem Boden lauernden Gefahr zu finden und passen sich der wunderbaren Natur ihrer jeweiligen Regionen an.
Es könnte alles so schön sein, würde der Autor diese Idylle nicht vor unseren Augen zerstören. Hinzu kommt sein eigenartiges Bild vom Gewalt bringenden Immigranten. Das gibt dem Ganzen leider einen gehörigen Dämpfer, zumal die Geschichte wunderbar ohne diese eine betreffende Passage funktioniert hätte.
In meiner Vermutung, hier Anlehnungen an die biblische Urgeschichte zu haben, fühle ich mich derweil bestätigt: der Verlust des Paradies, Sintflut, Entzweiung und Zerstreuung finden sich in abgewandelter und teils abgeschwächter Form wieder.
Von der Länge solltet ihr euch nicht entmutigen lassen. Dieses Buch ist trotz aller Kritik ein Erlebnis