frosch reviewed Usir by Roxane Bicker (Die Herren des Schakals, #3)
Ernüchterndes Ende für eine Trilogie
3 stars
Im Gegensatz zum Vorgänger ist Usir wirklich richtig spannend. Es gibt zwar immer mal wieder ein paar langatmigere Kapitel, aber meist folgt darauf direkt wieder etwas Spannendes, wodurch sich das gut ausgleicht. Auch ist das Buch – wie schon die Vorgänger – sehr gut und einfach zu lesen geschrieben. Vor allem, dass die Kapitel immer nach einer Figur und einem Handlungsort ausgerichtet waren, fand ich für die Orientierung sehr hilfreich. Mit einer Ausnahme im dritten Buch: Als sie in Nepal und Umgebung ermittelten, wurde in diesem Stil durch die Gruppen rotiert, wo diese Kaptitelstruktur für mich dann gar nicht funktionierte.
Zur Story hatte ich in ein paar Rezensionen gelesen, dass sich die Autorin in diesem Band zu sehr in den einzelnen Mythologien verrenne, was verwirrend wäre. Das kann ich gar nicht bestätigen. Genau so, wie es in diesem Buch ist, hätte ich es auch in den anderen erwartet. Im Grunde hat Frau Bicker ja schon im zweiten Buch eine Menge ihres Fachwissens einfließen lassen – allerdings mehr auf der geografischen Seite, die bei mir leider eher Langeweile ausgelöst hat. In diesem Buch geht sie dagegen mit griechischer und römischer Mythologie „All-in“, und ich fand das richtig gut. Aber ich gebe zu, dass es manchmal doch auch ein wenig zu viel ist, gerade wenn man bedenkt, dass Mythologie in den vorherigen Büchern, wenn überhaupt, mal ein Kapitel eingenommen hat.
Schnell möchte ich noch zwei Punkte beschreiben, die mir in allen drei Büchern negativ aufgefallen sind:
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„Ich bin der Maresh, und ich bin auch dabei“: Im Ernst, Daisy könnte von einem auf das andere Kapitel alleinerziehende Mutter sein, und niemand würde sich fragen: „Hä, wo ist denn jetzt Maresh?“ Das ist die egalste Figur in einer Geschichte, die ich je erlebt habe. Im ersten Buch hat er noch einen charmanten Charakter und wirkt durchaus mysteriös. Ab dem Zweiten ist das alles komplett weg. Ab da ist er vor allem unsympathisch, hat mit keinem der Gruppe – nicht mal mit seiner Frau – irgendwie eine Chemie, die textlich rübergebracht wird, und spielt, wie gesagt, für die Geschichte gar keine Rolle. Kleines Beispiel: Gegen Ende des Buches gibt’s hier ein Kapitel, da finden sie Maresh niedergeschlagen wieder, nachdem er fast 30 Kapitel lang – in denen die anderen ermittelt haben – nicht vorgekommen ist. Was er gemacht hat? Kein Plan. Er hat es jedenfalls geschafft, durch seine Kontakte 30 Minuten vor den anderen an einem Ort zu sein, den sie herausgefunden hatten, während sie parallel noch andere Sachen ermittelten. Slow clap. Und das ist diese Figur. Ich verstehe einfach nicht, wie man im ersten Drittel dieses Buches eine wirklich geheimnisvolle Figur sterben lassen kann, während diese inhaltsleere Figur danebensteht. Also im wahrsten Sinne des Wortes – der steht wirklich nur eine Tür weiter.
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Die Höhepunkte bzw. die Enden: Ich weiß nicht, ob es an der eher schwachen Story des zweiten Buches lag, aber in diesem fühlte sich das Ende noch am rundesten und spannendsten an. Bei den anderen beiden hat man eine sehr spannende Handlung, die sich immer weiter zuspitzt, dann kommt man zum Höhepunkt – und dann fühlt es sich an wie: „Das, weil das. Das, weil das. Das da ignorieren wir mal, uuund Ende. Bye.“ Die Enden wirken so, als ob Frau Bicker einfach zum Schluss kommen wollte, weil die Deadline näher rückte. So ließen mich alle drei Bücher – und dieses hier im Besonderen – mit einem Gefühl der Ernüchterung zurück.
Es ist irgendwie komisch, aber ausgerechnet das erste Buch der Trilogie, das Erstlingswerk der Autorin, fühlt sich für mich von allen drei Büchern am rundesten an. Das ist ein richtig spannender Krimi mit einer sehr guten Entwicklung der einzelnen Figuren. Das zweite ist dann ein historischer Roman im Ägypten Ende des 19. Jahrhunderts, in dem es mehr um Beziehungen und Drama als um Krimi und Mystery geht. Und der Abschluss der Trilogie ist eine durchaus spannend inszenierte Schnitzeljagd mit jeder Menge Mythologie, von der es vielleicht etwas weniger hätte sein dürfen – und mit einem leider zu unbefriedigenden Ende, das nicht alle Fragen oder Handlungsstränge der Bücher zufriedenstellend oder überhaupt aufklärt.
