frosch reviewed Oststolz by Alexander Prinz
Interessant aber auch zäh
4 stars
Wie ich bereits in einem Zwischenstatus schrieb startet das Buch sehr interessant und Alexander Prinz beschreibt viele Probleme der Nachwendezeit und vor allem des ländlichen Raumes, die bis heute existieren. Wenn man im Osten aufgewachsen ist oder sich kritisch mit einer kapitalistischen Gesellschaft befasst, dann ist das was er da beschreibt aber alles nichts Neues. Interessant ist vielmehr wie er das Ganze mit seiner eigenen Biografie verwebt, was wirklich sehr spannend ist, vor allem weil ich nur ein paar Jahre älter bin als er und ebenfalls auf dem Land im Osten aufgewachsen bin. So gab es eine sehr große Schnittmenge an Erfahrungen die ich entweder genau so oder leicht abgewandelt gemacht habe, die Guten wie die Schlechten. Es gab aber auch so ein paar Beschreibungen, gerade wo er beschreibt was so für Videos auf dem Schulhof herum gingen, wo ich mir dachte "Was zur Hölle lief denn bei euch schief?". …
Wie ich bereits in einem Zwischenstatus schrieb startet das Buch sehr interessant und Alexander Prinz beschreibt viele Probleme der Nachwendezeit und vor allem des ländlichen Raumes, die bis heute existieren. Wenn man im Osten aufgewachsen ist oder sich kritisch mit einer kapitalistischen Gesellschaft befasst, dann ist das was er da beschreibt aber alles nichts Neues. Interessant ist vielmehr wie er das Ganze mit seiner eigenen Biografie verwebt, was wirklich sehr spannend ist, vor allem weil ich nur ein paar Jahre älter bin als er und ebenfalls auf dem Land im Osten aufgewachsen bin. So gab es eine sehr große Schnittmenge an Erfahrungen die ich entweder genau so oder leicht abgewandelt gemacht habe, die Guten wie die Schlechten. Es gab aber auch so ein paar Beschreibungen, gerade wo er beschreibt was so für Videos auf dem Schulhof herum gingen, wo ich mir dachte "Was zur Hölle lief denn bei euch schief?". Zwischendrin gab es dann aber auch so ein paar Passagen, wo er so ein bisschen über seine Selbstfindung schreibt, die arg konstruiert und eher nach einer nostalgischen Verklärung seiner eigenen Erinnerung klang. Direkt danach wirkte es so als ob der Rest des Buches jetzt so ein komischen Coaching Vibe ála "Ja, wir haben hier Probleme, aber man muss einfach mal machen!" bekommen wird, aber das war zum Glück nicht so. Im Grunde handelt das letzte Drittel davon, das er beschreibt was er mit Oststolz meint, nämlich stolz darauf zu sein was die eigenen Eltern und Großeltern trotz widriger Umstände, Rückschlägen und ungleicher Startvorraussetzungen, und folglich man selbst, geschafft hat. Das man sich nicht selbst klein machen soll, indem man sich selbst in die Opferrolle begibt und resigniert gegen seine Interessen agiert, sondern stattdessen zusammen arbeitet. Gleichzeitig beschönigt oder verklärt er aber auch nichts und verdeutlicht das die beschriebenen Probleme ein gesamtgesellschaftliches sind und zwar nicht von Ost/West sondern von Oben/Unten und das die strukturellen Problem des ländlichen Raumes in naher Zukunft auch genau so im Westen zu Tage treten werden, sollte es politisch kein Gegensteuern geben. Also alles in allem ein lesenswertes Buch, auch wenn es zwischen drin ein paar Schwächen, ein paar Ego Momente, den ein oder anderen Widerspruch und die ein oder anderen repetitiv klingende Abschnitt hat.










