Nils Müller liest reviewed Das Geschenk by Gaea Schoeters
Kurzer, aber fesselnder Roman, der mich mehr zum Nachdenken gebracht hat, als so mancher Sachbuch-Wälzer.
5 stars
Elefanten. Über Nacht. Mitten in Berlin. Dann eine Nachricht aus Botswana: Der Präsident freue sich, dass Deutschland mit seinen Gesetzen die Elefanten in seinem Land schützen wolle. Diese Aufgabe überfordere sein Land jedoch mehr und mehr, und so habe Deutschland doch bestimmt nichts dagegen, sich um rund 20.000 dieser Tiere zu kümmern. Für den Bundeskanzler beginnt das Jahr vor den Wahlen mit einer ganz besonderen Herausforderung – getrieben von der rechtspopulistischen Opposition.
Gaea Schoeters Roman Das Geschenk ist eher kurz, birgt aber eine Menge Diskussionsstoff, da sie gleich drei brisante und eng miteinander verwobene Themen anspricht: – die paternalistische Politik des globalen Nordens, der seine Interessen ohne Rücksicht auf die Realität des globalen Südens durchsetzt, – die unvermeidlichen Veränderungen, die uns durch die Klimakatastrophe bevorstehen, und schließlich – die dadurch verschärfte und ausgelöste Migration aus dem Süden in den Norden.
Dabei nutzt Schoeters sehr geschickt die inneren Widersprüchlichkeiten unserer Politik und Gesellschaft aus, um uns selbst den Spiegel vorzuhalten: Solange andere die Drecksarbeit machen, setzen wir uns für den absoluten Schutz der Tiere ein. Wenn wir selbst deren Verpflegung und die Entsorgung der Fäkalien organisieren müssen, sieht das schon anders aus. Erst die Hoffnung auf ökonomischen Gewinn kann die Situation entspannen, denn der Kapitalismus war uns schon immer wichtiger als der Schutz der Natur.
Schroeters überträgt hier gleichzeitig die Dynamiken der öffentlichen Diskussion über Migration in Deutschland auf das „Problem“ des Klimaschutzes. Ich bin immer wieder darüber gestolpert, dass sie Tiere als Metapher für geflüchtete Menschen nutzt. Letztlich wird aber erst dadurch die oben bereits skizzierte Widersprüchlichkeit deutlich: Genau wie bei den Tieren waren großen Teilen der deutschen Gesellschaft die ökonomischen und anderweitigen Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten wichtiger als die eigentlichen Werte, die wir groß vor uns hertragen.
Ein kurzer, aber fesselnder Roman, der mich mehr zum Nachdenken gebracht hat, als so mancher Sachbuch-Wälzer.
