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Nils Müller liest

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Nils Müller liest's books

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Gaea Schoeters: Das Geschenk (German language, 2025)

Kurzer, aber fesselnder Roman, der mich mehr zum Nachdenken gebracht hat, als so mancher Sachbuch-Wälzer.

Elefanten. Über Nacht. Mitten in Berlin. Dann eine Nachricht aus Botswana: Der Präsident freue sich, dass Deutschland mit seinen Gesetzen die Elefanten in seinem Land schützen wolle. Diese Aufgabe überfordere sein Land jedoch mehr und mehr, und so habe Deutschland doch bestimmt nichts dagegen, sich um rund 20.000 dieser Tiere zu kümmern. Für den Bundeskanzler beginnt das Jahr vor den Wahlen mit einer ganz besonderen Herausforderung – getrieben von der rechtspopulistischen Opposition.

Gaea Schoeters Roman Das Geschenk ist eher kurz, birgt aber eine Menge Diskussionsstoff, da sie gleich drei brisante und eng miteinander verwobene Themen anspricht: – die paternalistische Politik des globalen Nordens, der seine Interessen ohne Rücksicht auf die Realität des globalen Südens durchsetzt, – die unvermeidlichen Veränderungen, die uns durch die Klimakatastrophe bevorstehen, und schließlich – die dadurch verschärfte und ausgelöste Migration aus dem Süden in den Norden.

Dabei nutzt Schoeters sehr geschickt die inneren Widersprüchlichkeiten …

Liz Moore: Der Gott des Waldes (German language, 2025, C.H. Beck)

The God of the Woods is a novel by Liz Moore published in 2024.

Gesellschaftlich hochrelevanter Roman, dessen eigentliches Thema bei all seiner Brisanz doch ein wenig blass bleibt

Auf den ersten Blick ist "Der Gott des Waldes" von Liz Moore ein relativ klassischer Thriller: Aus einem Feriencamp verschwindet die Tochter der Besitzer des Camps – ebenso wie ihr Bruder etliche Jahre zuvor. Was folgt, ist eine Suche nach Spuren und Hintergründen, die verwinkelte Wendungen nimmt und das eine oder andere Geheimnis aufwühlt.

Doch diese Thriller-Handlung ist nicht rasant und fesselnd, sondern fühlt sich erstaunlich „entspannt“ an. Liz Moore nimmt sich nämlich Zeit: Zeit, ihre Figuren vorzustellen, deren Geschichte, deren Hoffnungen, deren Ängste. Sie springt zwischen Zeitebenen, in denen sie diese Geschichten erzählt, der Geschichte des Bruders und der „Gegenwart“ der 1970er Jahre hin und her und schafft so ein Kaleidoskop an Eindrücken, in dem sich nach und nach das eigentliche Thema des Romans abzeichnet.

Unter der Oberfläche dieses Thrillers wird ein grundlegender Konflikt ausgetragen – der zwischen Arm und Reich. Dabei liegen alle Vorteile auf der …

reviewed Speaking Bones by Ken Liu (The Dandelion Dynasty, #4)

Ken Liu: Speaking Bones (Hardcover, Gallery / Saga Press)

The conclusion to Ken Liu's chronicle of the Dandelion Dynasty – one of the Greatest …

Mehr als würdiger Abschluss einer großartigen Fantasy-Reihe

Das war es nun also: 4 Bände in rund zwei Monaten – fast 4000 Seiten. Es muss schon etwas heißen, wenn ich in diesem Tempo durch eine Buchreihe jage. Die ersten drei Bücher habe ich hier ja auch schon rezensiert und ich muss sagen, Liu liefert auch im vierten und letzten Band seiner Silkpunk-Reihe einfach sagenhaft ab.

Das Buch schließt in der Geschichte nahtlos an den dritten Band "The Veiled Throne" an. Es gibt neue Drehungen und Wendungen, von denen ich hier aber nichts schreiben kann, um die ersten drei Bände nicht zu spoilern. Während der erste Band im Kern die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung erzählt, Band zwei uns weiter in die Welt hineinzieht und den eigentlichen Konflikt anlegt, spielen die Bände drei und vier virtuos auf dem bereiteten Spielfeld.

Während der dritte Band sich thematisch in großen Teilen um den Krieg als Thema dreht, nimmt der vierte …

Ken Liu: The Veiled Throne (2021, Head of Zeus)

Epische Fantasy zwischen "Rach, der Restauranttester" und Terry Pratchett

Es kommt sehr, sehr, selten vor, dass ich mich innerhalb von einem Monat durch drei Bände einer Fantasy-Reihe grabe – wobei ich mich nicht erinnern kann, dass mir das überhaupt schon mal passiert ist. Wenn diese drei Bände zusammen dann aber auch noch rund 2500 Seiten haben, ist das Ganze noch überraschender.

Es muss also etwas Besonderes dran sein, an dieser „Dandelion Dynasty“ und, boy, ist die besonders. Nachdem die ersten beiden Bände auf jeweils sehr unterschiedliche Weise eine sehr komplexe und faszinierende, aber doch irgendwie „typische“ epische Fantasy-Geschichte erzählt haben, geht Band drei, The Veiled Throne, sehr eigene Wege: Von der Geschichte eines Kontinents, wenn nicht sogar einer ganzen Welt, hin zur Geschichte einzelner Figuren in dieser Welt.

Es beginnt noch mit einer gigantischen Schlacht, in der alle bekannten und neu entwickelten Waffen‑ und Strategie‑Register gezogen werden – und das sind einige, die man in einer …

Ken Liu: The Wall of Storms (The Dandelion Dynasty, #2) (2016)

Etwas andere Fantasy in klassischerem Gewand

Der zweite Band von Ken Lius „Dandelion Dynasty“-Reihe schließt unmittelbar an den ersten Band „Grace of Kings“. Entsprechend macht es keinen Sinn, hier die Handlung auch nur anreißen zu wollen, denn das würde unweigerlich das Ende des ersten Bandes spoilern. Über Themen, Erzählweise und Struktur kann ich aber natürlich eine Menge sagen.

Nachdem „Grace of Kings“ ein sehr hohes Erzähltempo hat und oft von Ort zu Ort und durch die Zeit springt, ist „The Wall of Storms“ deutlich klassischer, ja fast schon minimalistisch. Es erzählt eine geradlinige Geschichte aus zwei oder drei Perspektiven und streut die eine oder andere ausführliche Rückblende ein. So kommt man als Leser natürlich näher an die Figuren heran. Das lohnt sich auch, denn die Figuren sind nochmal wesentlich lebendiger, tiefgründiger und komplexer als im ersten Band.

Während die Struktur also ein wenig klassischer wird, setzt sich Liu bei den Themen deutlich von seinen …

Ken Liu: Grace of Kings (2015, Head of Zeus)

Nicht für jede*n, aber für mich

Ich bin lange um die Dandelion-Dynasty-Bücher von Ken Liu herumgeschlichen: Die Rezensionen gingen weit auseinander und ein erster Band mit mehr als 600 Seiten macht den Einstieg nicht gerade einfach. Doch, boy, bin ich froh, es dann jetzt doch gewagt zu haben, aber ich weiß jetzt auch, warum die Reihe die Gemüter so spaltet.

Die Geschichte ist erst mal nichts wirklich Besonderes: Ein Kaiser stirbt, sein Nachfolger ist schwach, und so beginnen die einzelnen Gebiete des Reichs nach Unabhängigkeit zu streben. Die Themen, die sich daraus ergeben, sind auch relativ offensichtlich: Loyalität, Macht, Vertrauen und die Frage nach dem „guten“ Regieren – wobei das vielleicht schon ein wenig vom Genrestandard abweicht.

Die Abweichung wird aber noch deutlicher bei Ken Lius Erzählweise, die sehr sachlich und fokussiert daherkommt. Er verzichtet nahezu komplett auf sprachliche Schnörkel oder weitschweifende Erklärungen. Es gibt auch keine langen introspektiven Phasen oder Charakterstudien. Stattdessen beschreibt …