In Daretana’s greatest mansion, a high imperial officer lies dead—killed, to all appearances, when a …
Ein Mord als Ausrede, eine faszinierende Welt zu entdecken
5 stars
Detektivgeschichten bieten immer eine besonders gute Möglichkeit, einen Einblick in eine fremde Welt zu gewinnen. Für historische Romane ist dieses Subgenre fest etabliert, in der Fantasy sieht man es nicht ganz so häufig. „A Tainted Cup“ von Robert Jackson Bennett ist ein wunderbares Beispiel, wie wir als Leser*innen uns eine Welt durch die Augen und Gedanken von Ermittlern erschließen können.
Nur ist dies in einer Fantasy-Welt noch wichtiger als in unserer „realen“, und so spielt Jackson Bennett geschickt damit, Details über die Welt erst dann zu enthüllen, wenn sie für den konkreten Fall relevant werden. So gibt es neben der Krimi-Handlung immer mehr kleine Details und große Zusammenhänge über diese wirklich spannende Welt zu entdecken – und der Weltenbau war ja schon immer Robert Jackson Bennetts besondere Stärke, die er auch hier wieder perfekt ausspielt.
An existential manual for tragic optimists, can-do pessimists, and compassionate doomers
With global heating …
Realistischer Blick in eine dunkle Zukunft
5 stars
Eine Gute-Laune-Lektüre ist „I Want a Better Catastrophe“ von Andrew Boyd mit Sicherheit nicht. Es ist nicht einmal ein „Wir schaffen das, wenn wir uns anstrengen!“. Es ist ein „Es wird dunkel werden, sehr dunkel. Wenn wir uns anstrengen, haben wir aber zumindest Kerzenlicht.“
Am Anfang des Buchs stellt sich Boyd der unvermeidlichen Realität, die die Klimakatastrophe in den nächsten Jahrzehnten bedeuten wird: große Teile der Erde werden unbewohnbar werden, die Zivilisation, die wir heute kennen, wird sich nicht länger halten können und wir werden unermessliches Leid erleben. Wie, fragt sich Boyd, lässt sich da noch ein Sinn im Leben finden.
So interviewt er unterschiedliche Menschen, die sich zu genau dieser Frage Gedanken gemacht haben, und reflektiert diese Gespräche für sich. Mich als Leser hat er damit tief … beeindruckt(?), getroffen (?), ja, verunsichert. Denn die Fragen sind ernst und wir als Gesellschaft tun alles, diese Realität zu …
Eine Gute-Laune-Lektüre ist „I Want a Better Catastrophe“ von Andrew Boyd mit Sicherheit nicht. Es ist nicht einmal ein „Wir schaffen das, wenn wir uns anstrengen!“. Es ist ein „Es wird dunkel werden, sehr dunkel. Wenn wir uns anstrengen, haben wir aber zumindest Kerzenlicht.“
Am Anfang des Buchs stellt sich Boyd der unvermeidlichen Realität, die die Klimakatastrophe in den nächsten Jahrzehnten bedeuten wird: große Teile der Erde werden unbewohnbar werden, die Zivilisation, die wir heute kennen, wird sich nicht länger halten können und wir werden unermessliches Leid erleben. Wie, fragt sich Boyd, lässt sich da noch ein Sinn im Leben finden.
So interviewt er unterschiedliche Menschen, die sich zu genau dieser Frage Gedanken gemacht haben, und reflektiert diese Gespräche für sich. Mich als Leser hat er damit tief … beeindruckt(?), getroffen (?), ja, verunsichert. Denn die Fragen sind ernst und wir als Gesellschaft tun alles, diese Realität zu verdrängen, wo wir lernen müssten, unseren eigenen Niedergang zu betrauern.
Dabei arbeiten Boyd und seine Interviewpartner*innen viel mit Metaphern, von denen zwei besonders bei mir nachhallen: „Hospice Earth“ und „Witnessing our own sunset“. Ja, so ein Buch ist das…
Hat für mich leider nicht gezündet, daher nach 25% abgebrochen
No rating
Während ich ein großer Fan von Abercrombie’s Trilogie Age of Madness war, hat mich The Devils leider so überhaupt nicht abgeholt, sodass ich es nach rund einem Viertel abgebrochen habe: Das Setting in einem alternativen Europa, in dem Mythenwesen real sind und in dem die katholische Kirche mit allen Mitteln danach strebt, ihre Vorherrschaft zu sichern, fand ich faszinierend.
Leider schafft es Abercrombie auf keiner der drei Ebenen, die für mich relevant sind, eine spannende Geschichte zu entwickeln: weder interessiert mich das Schicksal der Hauptfiguren so wirklich, noch schafft er es, die Welt wirklich greifbar und komplex werden zu lassen oder zumindest eine fesselnde Handlung zu entwickeln. Auch seine Versuche, einen Erzählstil zwischen Mengen an Fäkalien und feinem Sprachwitz à la Terry Pratchett zu entwickeln, zündet bei mir nicht so wirklich – auch wenn ich ab und an schon auflachen musste.
Fluffig zu Hören und unterhaltsam ohne besonderen Anspruch
4 stars
Nachdem „Die Säulen der Erde“ zu meinen frühen erwachsenen Leseerfahrungen gehört, wollte ich mir jetzt endlich mal die mittlerweile erschienenen Pre- und Sequels vornehmen. Ken Follett Bücher sind einfach meist hervorragende intelligente Unterhaltung ohne zu großen Anspruch und damit bestens als Hörbuch-Begleitung zum Laufen, Haushalten und Pendelfahren geeignet.
Und genau so ist auch „Der Morgen einer neuen Zeit“: Es gibt einen Underdog, der sich im Laufe des Buches zum Helden entwickelt. Es gibt die Guten und die Bösen, die oft eher schematisch bleiben, aber spannend genug geschrieben sind, um mich interessiert zu halten. Und es gibt eine spannende Geschichte voller Aufs und Abs, spannenden Wendungen und manchmal auch bisschen viel unnötiger Gewalt.
Spannender Abschluss mit fasziniernden Szenen aber unausgewogenem Pacing
4 stars
Der dritte Band der ersten Farseer-Reihe setzt die Geschichte der ersten beiden Bände konsequent fort. Nun geht es jedoch weniger um die Politik und die Intrigen in der Hauptstadt der Six Duchies, Buckkeep, sondern um eine lange Reise, auf der Fitz nach seinem König sucht und auf die Hilfe der legendären Elderlings hofft.
Gefühlt entwickelt sich die Handlung dabei noch langsamer als bereits in den ersten beiden Bänden. Gerade im ersten Fünftel ist dies eine absolute Stärke des Romans, da Hobb ihn fesselnd aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive erzählt. Auch wenn im klassischen Sinne nicht viel „passiert“, schafft sie hier ein ganz besonderes Stück Charakterentwicklung für ihre Hauptfigur.
Ich kann mit Geschichten à la Road Movie üblicherweise nicht so viel anfangen. Daher fand ich die Reisepassagen dann doch des Öfteren etwas zu lang und zäh. Hobb schafft es aber immer wieder, auch hier spannende und bemerkenswerte Momente zu …
Der dritte Band der ersten Farseer-Reihe setzt die Geschichte der ersten beiden Bände konsequent fort. Nun geht es jedoch weniger um die Politik und die Intrigen in der Hauptstadt der Six Duchies, Buckkeep, sondern um eine lange Reise, auf der Fitz nach seinem König sucht und auf die Hilfe der legendären Elderlings hofft.
Gefühlt entwickelt sich die Handlung dabei noch langsamer als bereits in den ersten beiden Bänden. Gerade im ersten Fünftel ist dies eine absolute Stärke des Romans, da Hobb ihn fesselnd aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive erzählt. Auch wenn im klassischen Sinne nicht viel „passiert“, schafft sie hier ein ganz besonderes Stück Charakterentwicklung für ihre Hauptfigur.
Ich kann mit Geschichten à la Road Movie üblicherweise nicht so viel anfangen. Daher fand ich die Reisepassagen dann doch des Öfteren etwas zu lang und zäh. Hobb schafft es aber immer wieder, auch hier spannende und bemerkenswerte Momente zu schaffen. Dieses langsame „Tempo“ behält sie dann fast bis zum Ende des Romans bei.
Noch bei 85% hatte ich keine Ahnung, wie sie bei diesem Erzähltempo alle Handlungsfäden noch zu einem befriedigenden Ende führen will. Das macht sie am Ende dann auch nur so halb, weil sie sehr viel Geschichte auf sehr wenigen Seiten rafft. So wird das Ende nicht unbedingt unbefriedigend, mit stellt sich aber schon die Frage, ob man das Pacing über den Roman hinweg nicht etwas anders hätte gestalten können.
Es bleibt langsam, aber gut. Gleichzeitig weiß ich nicht, wie Robin Hobb die Handlung in den verbleibenden 15 Prozent noch zu einem befriedigenden Ende bringen will. Ich bin gespannt ...
The Renaissance is one of the most studied and celebrated eras of history. Spanning the …
Ich habe noch gar nicht wirklich angefangen und ich liebe das neue Buch von @adapalmer@wandering.shop schon. Es ist einfach ein unglaubliche Kombination aus extremem fachlichem Wissen, gleichzeitig einer ganz ganz starken intellektuellen Fähigkeit zu Reflexion und Bescheidenheit und dann noch sprachlichem, schriftstellerischem Können, wie man es echt selten findet. Großartig.
Lynesse is the lowly Fourth Daughter of the queen, and always getting in the way.
…
Science-Fantasy mal anders
5 stars
Elder Race ist tatsächlich mein erstes Buch von Adrian Tchaikovsky - und warum zum Teufel habe ich so lange damit gewartet, mal etwas von ihm zu lesen? In dem eher kurzen Roman erzählt der Autor eine doppelte Geschichte: Da ist eine in Ungnade gefallene Prinzessin, die versucht, mit der Hilfe eines mysteriösen Magiers der "Elder Race" ein gefährliches Monster zu besiegen und so bei ihrer Familie Anerkennung zu finden. Dann ist da aber auch noch ein Anthropologe der Menschheit, der den Forschungsposten auf einer weit abseits gelegenen Kolonie betreut und schon seit Jahrzehnten den Kontakt zur Erde verloren hat.
So erzählt Tchaikovsky dieselbe Geschichte aus zwei Perspektiven, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und es trotz aller Versuche auch nicht schaffen, wirklich miteinander zu kommunizieren. Ein für mich bisher vollkommen unbekannter Take für das etablierte Genre der Science-Fantasy. Lesen.
Elder Race ist tatsächlich mein erstes Buch von Adrian Tchaikovsky - und warum zum Teufel habe ich so lange damit gewartet, mal etwas von ihm zu lesen? In dem eher kurzen Roman erzählt der Autor eine doppelte Geschichte: Da ist eine in Ungnade gefallene Prinzessin, die versucht, mit der Hilfe eines mysteriösen Magiers der "Elder Race" ein gefährliches Monster zu besiegen und so bei ihrer Familie Anerkennung zu finden. Dann ist da aber auch noch ein Anthropologe der Menschheit, der den Forschungsposten auf einer weit abseits gelegenen Kolonie betreut und schon seit Jahrzehnten den Kontakt zur Erde verloren hat.
So erzählt Tchaikovsky dieselbe Geschichte aus zwei Perspektiven, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und es trotz aller Versuche auch nicht schaffen, wirklich miteinander zu kommunizieren. Ein für mich bisher vollkommen unbekannter Take für das etablierte Genre der Science-Fantasy. Lesen.
Meadows’ Thinking in Systems, is a concise and crucial book offering insight for problem …
Grundlegend, heute aber nur noch Grundlagen
3 stars
Das Buch, das zum ersten Mal Anfang der 1990er Jahre als Entwurf Beachtung fand und erst nach dem Tod der Autorin 2008 erstmalig offiziell veröffentlicht wurde, beschreibt die Grundlagen eines systemischen Denkens aus komplexen Zusammenhängen und Wechselwirkungen. Dabei fokussiert sich die Autorin in erster Linie auf die absoluten Grundlagen und beschreibt insbesondere die Funktionsweise von Regelsystemen mit mehreren In- und Outputs.
Für die "damalige Zeit" war das sicherlich in einigen Bereichen neu, aus heutiger Perspektive liest es sich jedoch sehr vereinfacht und ironischerweise unterkomplex. Mittlerweile ist das Denken über komplexe Systeme einfach bereits wesentlich weiter. Selbst mit Blick auf den Zeitpunkt seines Entstehens scheint mir dieses Buch ein Beispiel dafür zu sein, wie formale Wissenschaften wie Informatik oder VWL Phänomene entdecken, die informelleren Wissenschaften wie z.B. der Soziologie schon lange bekannt sind - und sie dann als Neuheit verkaufen. Als Transferleistung sicherlich zu würdigen, aber eben nicht als revolutionär …
Das Buch, das zum ersten Mal Anfang der 1990er Jahre als Entwurf Beachtung fand und erst nach dem Tod der Autorin 2008 erstmalig offiziell veröffentlicht wurde, beschreibt die Grundlagen eines systemischen Denkens aus komplexen Zusammenhängen und Wechselwirkungen. Dabei fokussiert sich die Autorin in erster Linie auf die absoluten Grundlagen und beschreibt insbesondere die Funktionsweise von Regelsystemen mit mehreren In- und Outputs.
Für die "damalige Zeit" war das sicherlich in einigen Bereichen neu, aus heutiger Perspektive liest es sich jedoch sehr vereinfacht und ironischerweise unterkomplex. Mittlerweile ist das Denken über komplexe Systeme einfach bereits wesentlich weiter. Selbst mit Blick auf den Zeitpunkt seines Entstehens scheint mir dieses Buch ein Beispiel dafür zu sein, wie formale Wissenschaften wie Informatik oder VWL Phänomene entdecken, die informelleren Wissenschaften wie z.B. der Soziologie schon lange bekannt sind - und sie dann als Neuheit verkaufen. Als Transferleistung sicherlich zu würdigen, aber eben nicht als revolutionär neue Erkenntnis.
Dem Klappentext nach ist "Godwin" von Joseph O'Neill ein Roman über das schmutzige Geschäft des Fußballs; vielleicht auch noch über Afrika, Europa und die Ausbeutung, die beide Kontinente seit Jahrhunderten verbindet. So war ich doch ein wenig überrascht, als die ersten 20 so absolut gar nichts mit Fußball zu tun haben und sich in erster Linie mit dem Management einer Kooperative von technischen Autor*innen befasst.
Auch danach geht es lange nicht um Fußball, sondern um komplizierte Familienbeziehungen, gewagte Geschäftsideen, Vertrauen und Betrug. Irgendwann taucht dann auch die Figur auf, die dem Roman ihren Namen gibt, aber der Fußball bleibt weiterhin mehr Thematisches Setting als tatsächlicher Treiber der Handlung.
Doch das macht überhaupt nichts, denn mit den beiden parallel laufenden und verwobenen Geschichten von Mark und Lakeesha zeichnet O'Neill ein fesselndes Panorama über genau die oben beschriebenen Themen. Es geht auch um Lebenspläne, Ernüchterung und Türen, die sich auftun, …
Dem Klappentext nach ist "Godwin" von Joseph O'Neill ein Roman über das schmutzige Geschäft des Fußballs; vielleicht auch noch über Afrika, Europa und die Ausbeutung, die beide Kontinente seit Jahrhunderten verbindet. So war ich doch ein wenig überrascht, als die ersten 20 so absolut gar nichts mit Fußball zu tun haben und sich in erster Linie mit dem Management einer Kooperative von technischen Autor*innen befasst.
Auch danach geht es lange nicht um Fußball, sondern um komplizierte Familienbeziehungen, gewagte Geschäftsideen, Vertrauen und Betrug. Irgendwann taucht dann auch die Figur auf, die dem Roman ihren Namen gibt, aber der Fußball bleibt weiterhin mehr Thematisches Setting als tatsächlicher Treiber der Handlung.
Doch das macht überhaupt nichts, denn mit den beiden parallel laufenden und verwobenen Geschichten von Mark und Lakeesha zeichnet O'Neill ein fesselndes Panorama über genau die oben beschriebenen Themen. Es geht auch um Lebenspläne, Ernüchterung und Türen, die sich auftun, aber auch schließen, gescheiterte Pläne und neue Hoffnung - einfach das moderne Leben. Und damit schließt sich dann doch auch wieder der Kreis zum Fußball.
Ein überraschender Roman, ebenso faszinierend wie menschlich, mit einem überzeugenden Abschluss.
Inmitten von Klimakatastophe, Rechtsruck und Hoffnungslosigkeit erzählt der bekannte Klimaaktivist Tadzio Müller in fünf Kapiteln …
An einem Tag fast 200 Seiten gelesen. Spricht für das Buch. Endlich Mal ein ehrlicher Blick auf die individuelle und kollektive Emotion gegenüber Klimaprotest und Klimakollaps...
Mit "Die Abschaffung des Todes" schreibt Andreas Eschbach mal wieder einen seiner Techno-Thriller, in denen er eine spannende und reißerische Handlung nutzt, um technologische und philosophische Ideen vorzustellen. Dabei hat man in diesen Büchern von ihm immer das Gefühl, dass die Handlung zwar sehr gut konstruiert ist, aber im Kern nur dazu dient, die Hauptfigur von einem erklärenden Monolog zum nächsten zu geleiten und den Leser dabei nicht zu verlieren.
Die Balance zwischen diesen beiden Aspekten gelingt Eschbach mal mehr und mal weniger gut, dieses Buch ist jedoch mal wieder ein Positivbeispiel: Während seine Hauptfigur dem Geheimnis hinter einem neuen Tech-Start-up nachspürt, lernt sie genau wie die Lesenden eine Menge über das Funktionieren des Gehirns, die Philosophie des Geistes und die technologischen Möglichkeiten, Intelligenz abzubilden.
Das scheint mir im Kern souverän, aber auf das Bild des Gehirns als signalverarbeitendem „Computer“ beschränkt. Das passt natürlich, weil der Roman ja …
Mit "Die Abschaffung des Todes" schreibt Andreas Eschbach mal wieder einen seiner Techno-Thriller, in denen er eine spannende und reißerische Handlung nutzt, um technologische und philosophische Ideen vorzustellen. Dabei hat man in diesen Büchern von ihm immer das Gefühl, dass die Handlung zwar sehr gut konstruiert ist, aber im Kern nur dazu dient, die Hauptfigur von einem erklärenden Monolog zum nächsten zu geleiten und den Leser dabei nicht zu verlieren.
Die Balance zwischen diesen beiden Aspekten gelingt Eschbach mal mehr und mal weniger gut, dieses Buch ist jedoch mal wieder ein Positivbeispiel: Während seine Hauptfigur dem Geheimnis hinter einem neuen Tech-Start-up nachspürt, lernt sie genau wie die Lesenden eine Menge über das Funktionieren des Gehirns, die Philosophie des Geistes und die technologischen Möglichkeiten, Intelligenz abzubilden.
Das scheint mir im Kern souverän, aber auf das Bild des Gehirns als signalverarbeitendem „Computer“ beschränkt. Das passt natürlich, weil der Roman ja genau im Milieu der amerikanischen Startups spielt, aber auch bei den gezeigten Gegenpositionen fehlen modernere Perspektiven wie die Rolle anderer Nervenregionen für das Denken und Empfinden doch auffällig.
Die Handlung ist auf jeden Fall sehr flott geschrieben und schafft es, mich als Leser zu fesseln. Sie bleibt trotz vieler Wendungen halbwegs glaubwürdig, leider aber ein wenig unter dem Genie-Problem: Wenn lauter Genies gegeneinander intrigieren, bleibt deren Genius letztlich doch auf die Ideen des Autors beschränkt. Auch wenn Eschbach hier sicherlich einer der besseren ist, scheinen mir die "genialen" Ideen seiner Figuren dann gerade als erfahrenem Science-Fiction-Leser relativ offensichtlich und sattsam bekannt. Aber, was soll man machen ... ?
Besonders stark finde ich hingegen die Einbettung der eigentlichen Handlung in den Roman und die Positionierung des Erzählerss, die gerade ganz am Ende auf intelligente Weise die vierte Wand durchbricht und die Grenzen zwischen Fiktion und Realität brüchig werden lässt.
P. S.: Ja, Eschbachs Bücher sind absolut „old school“ und seine Figuren bleiben sehr blass. Sie erfüllen die klassischen Anforderungen des Genres aber nicht wirklich die modernen Erwartungen an Vielfalt und Inklusion.